Was hat die Kartoffel mit dem Bytewerk.Net zu tun?

erstellt am 02.08.2020 von Hanjo Loeben

C64In die Welt des „bit rock & rocking bytes“ startete ich Anfang der 1980iger mit einem C64, der sogenannten „Brotkiste“. Erste Investitionen in leistungsfähigere Rechner und Software folgten während meiner Ausbildung zum DV-Kaufmann. Anfang der 2000er wurde das Berufsbild DV-Kaufmann vom Fachinformatiker abgelöst. Gerne erinnere ich mich auch an die Novell Netware bit rock Zeiten und den Aufbau erster verteilter Rechentechnik. Heute spricht man in der Regel vom LAN bzw. der LAN Technik. Verkabeln von PC’s und Aufbau erster LAN’s folgten bereits in den letzten 18 Monaten der Lehre. Mit diesen Erfahrungen dauerte es nicht lange und ich traute mich mit 2 ISDN Leitungen in die Welt der vernetzten Mailboxen (FidoNet). Es sollte nicht lange dauern und die Internetdienste wie WWWE-MailTelnetSSHXMPPMQTT und FTP  haben das FidoNet verdrängt.

Jetzt komme ich zur im Titel aufgeführten Kartoffel. Das war der Codename der Linux-Distribution Debian in der Version 2.2. Dieses Betriebssystem entdeckte ich nach dem openSuSE Umweg und die Kartoffel entwickelte sich zu meiner favorisierten Linux-Distribution. Vor dem Betrieb eines eigenen Servers im „bösen Internet“ beschäftigte ich mich in den 1990iger Jahren experimentell mit dem Betrieb eigener Server im privaten LAN ohne den Gefahren des Internets ausgesetzt zu sein. Die erste Anforderung sollte der Austausch von Daten über Windowsfreigaben innerhalb des privaten LAN ohne den Einsatz einer Windows-Server-Software sein. Parallel zum Betrieb eigener Server fütterte ich das WWW mit ersten HTML-Jugendsünden und Onlineauftritten und nutzte dazu gemietete Webhostingpakete. Zu den Webmastererfahrungen später mehr. Erste Erfahrungen mit einer SuSE (Software- und System-Entwicklung) Distribution waren Anfang der 1990iger für den Hausgebrauch auf einem PC ganz brauchbar. Samba war mit YaST (Yet another Setup Tool) einfach und schnell installiert und eingerichtet. Es funktionierte einfach und lief stabil und die erste Windowsfreigabe im privaten LAN lief ohne Hilfe aus Redmond und der SuSE Distribution.

Mit dem SuSE Paketmanagement stand ich von Anfang an häufig auf Kriegsfuß und die eine oder andere Softwareaktualisierung ging „in die Hose“. Das erinnerte mich wieder an die frustrierenden schmerzvollen Windows-Erfahrungen, die mich auf den Linux-Pfad führten. Aus aktueller Sicht waren das hunderte Stunden eventuell sogar Tage und Wochen für „die Tonne“, die wirklich kein Computernutzer braucht. Das war dann auch die Zeit als sich der Linux Standard Base (LSB) etablierte und mir auffiel, dass die bis dahin favorisierte  SuSE Distribution vielfach die LSB-Standards ignorierte und viele „Sonderlocken“ in deren Distribution eingebaut wurden.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie ich Anfang der 2000iger über die DEBIAN Distribution gestolpert bin. Vermutlich hat mich ein TUXler aus der KaaLUG , deren Mitbegründer ich bin, mit der Nase drauf gestoßen. Eins weiß ich aber noch ganz genau. Überzeugt hatte mich schnell die einfache zuverlässige DEBIAN Paketverwaltung „Advanced Packaging Tool“ mit dem apt-get Befehl. Die zweite Serverinstallation startete ich dann mit einem ausrangierten PC aus meinen Ausbildungszeiten und einer bescheidenen Ausstattung (512 MB RAM, 200 MB Festplatte).

Der erste „richtige“ Server im Platanen-LAN war Anfang 2000 zeitweise nur über  ein ISDN-Modem und eine ISDN-Leitung  (Datenübertragungsrate von 64 kbit/s) mit dem Internet verbunden. Es häuften sich schnell die Beschwerden, dass wir telefonisch nicht erreichbar wären. Ich war halt oft mit beiden Händen tief in der bash meines Servers unterwegs und mit apt-get und den Konfigurationsdateien beschäftigt und wir hatten damals nur eine einzige Leitung in die Onlinewelt. Es war eine Telefon-ISDN-Verbindung. Daher folgte recht schnell eine Leitungsaufrüstung und die zweite ISDN-Leitung, noch ohne eine Daten-Flatrate. Der „richtige“ Server ohne Fensterchen lief dann mit einer DEBIAN-Distribution und jetzt kommt wieder die im Titel angesprochene Kartoffel ins Spiel.

Nach meinen Ausflügen mit den SuSE-Distributionen folgte die erste DEBIAN-Distributionsversion potato. Bald folgten weitere Serverdienste, wie Fetchmail zum Einsammeln von Mails, Postfix und Proftpd. Auch erste statische HTML Intranet-Webseiten und ausgedehnte Experimente mit dem eigenen Indianer im privaten LAN weckten mein Interesse. Parallel arbeitete ich mit einem Internet-Webhostingpaket bei Strato. Bald war die Zeit reif für den nächsten Schritt zum eigenen Webhoster. Das gebuchte Webhostingpaket wurde gekündigt und der erste virtuelle Server wurde bestellt. Ermutigt durch die guten Erfahrungen mit der „Kartoffel“ sollte der in den eigenen vier Wänden unter dem Schreibtisch werkelnde PC durch einen „richtigen“ Server im Internet abgelöst werden. Das entlastete schließlich auch unsere Telekom-ISDN-Telefonrechnung.

Die erste Wahl war für mich damals ein virtueller Server der Firma KoryPet, mit dem ich die ersten Jahre sehr zufrieden war. Der virtuelle Server wurde damals auch von der Kartoffel bzw. der DEBIAN Distribution potato angetrieben und hat mit den Jahren immer mehr Aufgaben übernommen; er wurde immer wieder mal aufgerüstet. Inzwischen ist der Server zwei mal umgezogen und die Debian LogoDEBIAN Betriebssystem-Versionen wurde mehrfach aktualisiert. Mehrere Webmaster – Mike und Renate ihr seid hier gemeint – freuen sich über performante Onlinepräsenzen, die im Bytewerk.Net seit mehr als 10 Jahren heimisch geworden sind.

Es lebe „apt-get dist-upgrade“ ! Im Einzelnen waren das jetzt in den letzten 20 Jahren summa summarum sieben Versionen mit folgenden Stationen:

Server-Stand 06.08.2020:

Für die DEBIAN Version -Jessie endete die Langzeitunterstützung (engl.: long-term support, kurz: LTS) Ende Juni 2020. So wurde es Zeit und ein weiteres „apt-get dist-upgrade“ in der bash verarbeitet, von dem Sie auch gerade diese Seiten abgerufen haben. Mit welcher DEBIAN Version in den kommenden Jahren der stabile und sichere Betrieb möglich sein wird, hängt wesentlich davon ab, inwieweit die notwendigen Härtungen (mod_security und SElinux) funktionieren. Diese Hausaufgaben habe ich noch vor der Brust und müssen sich erst noch auf einem Test-Server bewähren…

… und jetzt lese ich gerade von einer neuen OpenSSL Verwundbarkeit und das ist wahrscheinlich schon wieder ein neuer Artikel wert…

Wenn Sie bis zu dieser Stelle gelesen haben, dann sollte die im Titel gestellte Frage beantwortet sein und zugleich konnten Sie verfolgen, wie sich der Bytewerk.Net bit rock & rocking bytes über die Jahrzehnte entwickelte.

In diesem Sinne immer auf stabile, sichere und verfügbare Server und Betriebssysteme setzend Ihr

Hanjo
Loeben